Praxisbeispiel Glasdekorationsfolie Dialux® SIGS:

 

1. Ausgangspunkt

Für die Gestaltung von Werbegrafik auf Schaufenstern und Vitrinen sind bereits viele selbstklebende Produkte verfügbar. Seitdem Inkjet-Drucker mit Lösungsmitteltinten auf dem Markt sind, können auch Druckgrafiken in niedriger Auflage kostengünstig hergestellt werden. Allerdings fehlt den bestehenden Materialien die Transparenz, die benötigt wird, um eine Scheibe "wie bedruckt" aussehen zu lassen, ohne dass das Druckmedium selbst sichtbar ist.

 

2. Lösungsansatz in 4 Schritten

Schritt 1 Basismaterial | Als glasklare und formstabile Folien sind Polyesterfolien (PET) seit langem erfolgreich bei Regulus-Kunden im Einsatz. Nachteil: diese Folien sind mit Lösungsmitteltinten nicht direkt bedruckbar, es wird eine Tintenempfangsschicht benötigt.

Schritt 2 Tintenempfangsschicht | Eine glasklare Beschichtung, die für alle Lösungsmitteltinten geeignet ist, ist nicht als fertige Lösung auf dem Markt verfügbar. Im Labor von Regulus arbeiten Chemiker seit etwa zwanzig Jahren an der Entwicklung von Tintenempfangsschichten, die optimale Trocknung und hohe Farbbrillanz mit den verschiedenen Inkjetsystemen gewährleisten. Eine glasklare Schicht für Lösungsmitteltinten gehört seit dem Jahr 2006 zum Portfolio. Sie wurde für den Einsatz auf PET Folien optimiert.

Schritt 3 Klebstoffsystem | Die Anforderungen an den Klebstoff sind für diese Anwendung besonders hoch: er muss hochtransparent sein, große Temperaturschwankungen vertragen, darf bei UV-Bestrahlung nicht vergilben und sollte nach einer Einsatzzeit von Monaten oder gar Jahren ohne Rückstände von Glas entfernt werden können. In Zusammenarbeit mit einem Klebstoffhersteller wurde ein geeigneter Klebstoff ausgewählt. Zur Erreichung der geforderten Transparenz ist der Einsatz von Lösungsmittelklebstoff erforderlich, mit dem das Aufziehen auf die nasse Scheibe ermöglicht wird und so der Einschluss von Luftblasen verhindert werden kann.

Schritt 4 Abdeckmaterial/Release Liner | Eine glasklare Klebstoffoberfläche (bekannt aus der Etikettenindustrie als „no label look“) kann nur erreicht werden, wenn das Abdeckmaterial keine Struktur im Klebstoff hinterlässt. Dies ist mit silikonisiertem Papier auf Grund der Papierfaserstruktur nicht möglich. Die Wahl fällt auf eine silikonisierte Polyesterfolie.

 

3. Vom Labor in die Produktion

Zunächst werden kleinformatige Labormuster erstellt, die interne Testprozeduren durchlaufen müssen und von Marktkennern (Leitkunden) eine erste Beurteilung erfahren. Sind diese Tests positiv, werden mindestens zwei Kleinserien unter Produktivbedingungen gefahren. Die Beschichtungstechnik bei Regulus ist zwar für fast alle Kombinationen von Beschichtungschemie und Material geeignet, dennoch ist der Wunsch nach doppelter Transparenz für Klebstoff- und Oberflächenbeschichtung besonders für die Fertigungstechnik eine große Herausforderung.

4. Feldtest und Zertifizierungen

Die Erstserienmuster werden einem Kreis von interessierten Beta-Testern zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig prüft ein unabhängiges Institut (in diesem Fall die bayerische Landesgewerbeanstalt) die Haltbarkeit des Materials in einer Bewitterungssimulation. Erst wenn alle Testverfahren zum positiven Abschluss gekommen sind und die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse feststeht, wird die Produktions- und Verkaufsfreigabe erteilt.

 

5. Marketing

Werbemittel (Prospekte, Musterdrucke, Produktinformationen) werden angefertigt und Kunden werden bezüglich der Anwendungstechnik geschult, auch in Zusammenarbeit mit führenden Fachzeitschriften. Das Produkt Dialux® SIGS wird zum Mittelpunkt des Regulus-Messeauftritts auf den Leitmessen für digitale Drucktechniken im Jahr der Markteinführung.

 

6. Auszeichnung

Der innovative Charakter des Produktes und die neu eröffneten Möglichkeiten der Schaufensterwerbung werden von der Fachpresse einhellig gewürdigt. Ein besonderes Highlight ist die Verleihung des edp Awards 2008 in der Kategorie „best indoor media“ auf der Fachmesse Drupa.

Pförtnerhäuschen vor der Verklebung

Beklebtes Häuschen in der Dämmerung

Einsprühen der Glasscheibe

Ausrichten der Folie

Herausrakeln der Feuchtigkeit mittels Andruckwalze

Nochmaliges Herausdrücken der Restfeuchtigkeit